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Das Gerichtsgebäude

Baugeschichte - Übersicht

Link intern  I. Justizgebäude 1875 bis 1945

Link intern  II. Das neue Justizviertel seit 1950

Link intern  II.1. Hochhaus an der Urbanstr. - 1953

Link intern  II.2. Justizneubau Ulrich-/Olgastraße - 1982

Link intern  II.3. Eckgebäude - 2001

 

I. Justizgebäude 1875 bis 1945

Während der Deutsche Reichstag noch über die künftige reichseinheitliche Gerichtsorganisation debattierte, begannen im Württembergischen Königreich bereits ab 1875 die Planungen und Bauarbeiten für ein neues Justizgebäude in Stuttgart, in dem u.a. das künftige Oberlandesgericht unterkommen sollte. Im historisierenden Stil der Hochrenaissance Palladios wurde es von Oberbaurat Landauer an der Urbanstr. in dem Block zwischen der Ulrich-, der Olga- und der Archivstraße errichtet. Allegorische Figuren - Gerechtigkeit und Gesetz - thronten auf der Attika des Mittelbaus über dem Haupteingang.

Justizgebäude Stuttgart 1879 - Grafik: Württ. Landesbibliothek

 

Der Bau aus monumentalen Quadern kostete nahezu 2 Millionen Mark. Pünktlich zum Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes am 1.10.1879 (siehe Geschichte Teil 4) konnte das Justizgebäude von den neu entstandenen Gerichten - Oberlandesgericht, Landgericht und Amtsgericht - sowie der Staatsanwaltschaft, bezogen werden.

Durch die drei Tore des Haupteingangs gelangte man in das "Vestibule", wo man durch Wegweiser zu dem gesuchten Gericht geführt wurde. Im rechten Teil des Komplexes befanden sich das Amtsgericht, im linken Teil die Staatsanwaltschaft und das Landgericht, dazwischen lag ein großer Schwurgerichtssaal. Das "Kgl. Oberlandesgericht" nahm den größten Teil des zweiten Obergeschosses ein und hatte dort neben den Richterbüros, Beratungszimmern und sonstigen Amtsstuben auch zwei Verhandlungssäle zur Verfügung.

Plan des Justizgebäudes von 1879 - Klicken Sie für eine Vergrößerung auf das Bild!

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Wandern Sie auf der großen Seite mit der Maus durch die Amtsstuben
des OLG (Räume Nr. 1 - 27)und Sie bekommen angezeigt,
wen oder was Sie dort im Jahr 1879 antreffen konnten.

Damit war der Anfang für das Justizviertel gelegt, das sich bis heute im Geviert zwischen den genannten drei Straßen und der Olgastraße befindet. Hinter dem Justizgebäude wurde, getrennt durch einen nicht öffentlichen Durchgangsweg, ein Gefängnisgebäude errichtet. Mit den Jahren wuchsen die Gerichte und damit der Platzbedarf. Das Amtsgericht zog in ein weiteres Gebäude hinter dem Justizgebäude, das an der Archivstraße gebaute wurde und in Teilen heute noch steht.

Im Zweiten Weltkrieg wurden das Justizgebäude und auch das Gefängnis im Hinterhof bei einem Fliegerangriff in der Nacht vom 12. auf 13. September 1944 von Brandbomben weitgehend zerstört (siehe dazu und zur Zentralen Hinrichtungsstätte in diesem Hof: Geschichte Teil 5). Stehen blieben nur die Umfassungsmauern. Auf der Ruine thronte Justitia mit dem Schwert.

In der Nachkriegszeit mussten die Gerichte zunächst behelfsmäßig in den stehen gebliebenen sonstigen Bauten des Justizviertels und der Umgebung unterkommen.

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II. Das neue Justizviertel

1. Hochaus an der Urbanstraße - 1953

Ab 1950 wurde mit Neubauten für die Justiz im zerstörten Justizviertel begonnen. Von 1950 bis 1953 wurde das achtstöckige, 35 Meter hohe Hochhaus für das OLG Stuttgart an der Ecke Urban-/Archivstr. errichtet. Dabei handelte es sich um den ersten größeren Behördenneubau in Baden-Württemberg nach dem Zweiten Weltkrieg. In der Bevölkerung hatte es zum Zeitpunkt der Einweihung im Mai 1953 bereits den Spitznamen "Turm der Gerechtigkeit" verliehen bekommen (Berichte der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten vom 28.05.1953 über die Einweihungsfeier). Anders als der frühere Justizpalast wurde das Gebäude von der Straße zurückgesetzt, um einen Vorplatz zu gewinnen und somit das Gebäude optisch herauszuheben.  Ob damit und mit der eher strengen Fassadengestaltung die Unabhängigkeit der Justiz von äußeren Einflüssen betont werden soll oder ob die Architektur eher eine Distanz zum rechtsuchenden Bürger ausdrückt, wird bis heute unterschiedlich beurteilt (vgl. dazu Lupfer, Architektur der fünfziger Jahre in Stuttgart, S. 241 ff.)

 

Neben dem ursprünglichen Haupteingang (heute zugemauert) an diesem Vorplatz wurde eine Reliefplastik des Bildhauers Hermann Kress nach einem Entwurf von Professor Hermann Brachert angebracht: Über dem spärlich bekleideten Volk sitzen drei Richter, darüber hält Justitia Waage und Schwert. Erstaunlicherweise trägt das Gericht Porträtzüge nicht nur eines Richters, sondern auch zweier Vertreter der Exekutive: Dargestellt sind der damalige OLG-Präsident Robert Perlen, der Ministerpräsident Dr. Reinhold Maier und der Justizminister Dr. Josef Beyerle (von links nach rechts).

 

 

Über einen gläsernen Verbindungstrakt ist das Hochhaus (heute vom Landgericht Stuttgart benutzt) verbunden mit dem langgestreckten Gebäude an der Urbanstr. das für das Landgericht erstellt und Ende 1954 eingeweiht wurde. Ein außerdem zwischen beiden Häusern erstellter Schwurgerichtssaal wurde 1978 wieder abgerissen, als das neue Justizgebäude errichtet wurde.

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2. Justizneubau Ulrich-/Olgastraße - 1982


Bereits seit 1968 gab es Planungen für ein neues Justizgebäude als 12-geschossiges Hochhaus, die wegen der Rezession unterbrochen und ab 1976 unter veränderten Rahmenbedingungen wieder aufgenommen wurden. Der Neubau konnte 1978 begonnen und Ende 1982 fertig gestellt und bezogen werden. Er enthält neben zahlreichen Büros u.a. 18 Gerichtssäle, die von Oberlandesgericht und Landgericht Stuttgart genutzt werden. In diesem Gebäude sind auch die Verwaltungsabteilung, die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart und Teile des Landgerichts Stuttgart untergebracht. Außerdem haben hier der Staatsgerichtshof für das Land Baden-Württemberg, der Anwaltsgerichtshof Baden-Württemberg und der Dienstgerichtshof für Richter ihren Sitz.

 

Architektonische Gestaltung und städtebauliche Beurteilung wurden alsbald heftig diskutiert. In der Presse wurde beispielsweise das Gebäude als "ungefähr so grün und anheimelnd wie ein Wasserwerfer der Bereitschaftspolizei" bezeichnet (Stuttgarter Zeitung vom 8. April 1982) oder auch als "Justizirrtum in Beton und Stahl" (Stuttgarter Nachrichten vom 26. März 1983). Den  Innenbereich mit seinem grün bepflanzten Hof empfand der Kritiker dagegen als "durchaus bekömmlich" (Stuttgarter Zeitung vom 8. April 1982), bei manchen hinterließ er gar einen "sympathischen Eindruck" (Stuttgarter Nachrichten vom 15. April 1982). Aus heutiger Sicht dürfte der damalige Oberlandesgerichtspräsident Weinmann Recht behalten haben, der in seiner Ansprache bei der Eröffnungsfeier am 25.03.1983 vorhersagte, der Gewöhnungseffekt mache manches erträglich.

 

Einen gewollten Kontrast zum dunkelgrünen Baukörper setzt die damals nicht weniger diskutierte Skulptur "12 Kanten" von Christoph Freimann auf dem Eingangsplatz an der Olgastraße. Die zwölf rot gestrichenen Stahlkanten sind als aufgelöste Kanten eines Würfels zu verstehen, die in unterschiedlicher Länge und Stärke in neuer Anordnung, teils zum Gebäude hin, teils von ihm weg ragend, auf dem vom Künstler mit gestalteten Platz untergebracht sind (Interview Stuttgarter Nachrichten vom 22. April 1983).

 

Der Phantasie des Betrachters bleibt überlassen, um was sich im begrünten Innenhof des Justizkomplexes heute noch die zwei Männer intensiv streiten, die Prof. Karl-Henning Seemann in seiner Skulptur dargestellt hat.

 

 

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3. Eckgebäude - 2001


Die letzte Baulücke im Justizgeviert an der Ecke Olga-/Archivstraße konnte im Jahr 2001 mit der Einweihung des Eckgebäudes geschlossen werden. In der Archivstraße wurde ein fast zerfallenes Gebäudes des alten Amtsgerichts mit  schönem Treppenhaus saniert (auf dem Foto rechts der zurück liegende Trakt mit Dreieck-Giebel). Es schließt sich ein Neubau an, der mit seiner modernen Architektur eine vermittelnde Rolle zwischen der alten Bebauung und dem auf der anderen Seite angebundenen Justizgebäude aus den achtziger Jahren spielt.

 


Die Bibliothek des Oberlandesgerichts hat hier neue Räume bekommen. Ein neuer Sitzungssaal ist entstanden. Außerdem ist hier auch die Notarakademie Baden-Württemberg untergebracht.

 

 

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